Kaffeeanbau ist nicht gleich Kaffeeanbau

Ein Bericht von unserer Mitarbeiterin Katharina Lang

Bis zum Horizont – alles Plantage | Foto (c) Thomas Beutler

Kaffeebäume soweit das Auge reicht: Eingeteilt in endlose Zeilen stehen tausende Kaffeebäume auf rund 2.000 Hektar Land im Süden Tansanias. Richtig, ich bin heute nicht in Mahenge, wo der Würzburger Partnerkaffee angebaut wird, sondern ca. 100 Kilometer weiter östlich zwischen Mbinga und Songea unterwegs. Dort betreibt ein international agierendes Nahrungsmittel-Unternehmen seit einigen Jahren eine Kaffeeplantage.

Doch außer dem Anbau der Kaffeesorte Arabica hat die Plantage wenig mit dem Kaffeeanbau in Mahenge gemeinsam. Auf einer Rundfahrt sehe ich große Maschinenhallen mit etlichen Traktoren und Fahrzeugen, ein umfangreiches Straßennetz sowie eine eigene Weiterverarbeitungsanlage für die geernteten Kaffeebohnen. Außerdem sticht ein Stausee sofort ins Auge, der die ganzjährige Bewässerung der Kaffeepflanzen sichern soll. Immer wieder begegnen mir Gruppen von ArbeiterInnen. Je nach Saison arbeiten hier zwischen 1.000 und 5.000 Menschen. Bringt die Kaffeeplantage also Arbeitsplätze und optimiert die Nutzung des Landes in dieser abgelegenen Region Tansanias?

Ein Stausee nur für die Plantagenbewässerung | Foto (c) Thomas Beutler

Um diese Frage zu beantworten setze ich meine Fahrt in ein nahegelegenes Dorf fort. Dort ist man sich einig, dass die Plantage für viele BewohnerInnen des Dorfes Arbeit schafft, nur müsse man auch sehen, dass die Flächen nun nicht mehr für den Eigenanbau der BewohnerInnen genutzt werden können. Schutzkleidung stände wohl nicht immer zur Verfügung und einen Arbeitsvertrag habe hier noch niemand gesehen. Dies führt zu einem erheblichen Risiko für die ArbeiterInnen – gesundheitlich wie finanziell. Aber auch auf die Umwelt habe sich der intensive Kaffeeanbau auf der Plantage ausgewirkt. Vor allem der Staudamm und die Pestizide führen zu Problemen, so einer der Dorfbewohner. So sei nicht nur weniger Wasser in den Flüssen, sondern das Wasser sei auch mit den Pestiziden verschmutzt. Deshalb sei der Handel mit Fischen in den letzten Jahren stark eingebrochen. Statt dessen habe der Handel mit Obst, Gemüse und Kohle an der Straße, die durch das Dorf führt, zugenommen, weil mehr Menschen aus ganz Tansania zum Arbeiten auf die Plantage kommen.

Meine Reise auf die Kaffeeplantage und in das Dorf hinterlässt ein beklemmendes Gefühl. Gleichzeitig zeigt es mir einmal mehr, wie wertvoll der kleinbäuerliche Anbau in Mahenge ist. Die Bäuerinnen und Bauern in Mahenge können auf ihrem eigenen Land anbauen, ihre Ernte unabhängig verwalten und selbst auf die Umwelt rund um das Dorf Rücksicht nehmen. Durch den Zusammenschluss in der Kooperative Mahenge Amcos haben die Bäuerinnen und Bauern eine Organisations- und Austauschplattform und können ihr Stimme gemeinsam erheben. Kleinbäuerlicher Anbau und selbstverwaltete Kooperativen sind daher Wege für mehr Selbstbestimmung und weniger Abhängigkeit für Kaffee-ProduzentInnen. Genau das Richtige also für unseren fairen Würzburger Partnerkaffee.

Katharina Lang im Kaffeefeld von Kleinbauern | Foto (c) Thomas Beutler

Die Anfänge des Würzburger Partnerkaffee e.V.

Wie entstand eigentlich die Idee zum Würzburger Partnerkaffee e.V.?
Unser Verein hat viele Väter und Mütter. Eine besondere Schlüsselfigur unseres Projektes ist der Benediktinerpater Athanasius Meixner OSB der Münsterschwarzacher Abtei. Er lebt seit 1967 in Tansania und war 1993 an der Gründung der privaten Kaffee-Kooperative Usambara Cooperative Union in den Usambarabergen im Nordosten Tansanias beteiligt.
Etwa 400.000 Kleinbauern leben in Tansania vom Kaffeeanbau, oft in ärmlichsten Verhältnissen. Pater Athanasius war klar, dass ihnen am besten durch ein ausreichendes Einkommen zu helfen ist, das sich nicht nach dem schwankenden Kaffeepreis auf dem Weltmarkt richtet. Sein Wahlspruch war schon damals: „Die Produzenten sollen zuerst bedacht werden.“

Doch wie kam der erste Kaffee nach Würzburg?
Das Equipment, das von der Abtei Münsterschwarzach in die Benediktiner-Niederlassungen in Tansania geschickt wurde, wurde in Containern verschifft. Diese Container beluden die Mönche für die Rückreise zunächst mit Makonde-Schnitzereien. Als Pater Athanasius erstmals einen ganzen Container mit Kaffee füllte, staunten die Empfänger in Münsterschwarzach nicht schlecht. Erst glaubte niemand daran, dass die Ladung hierzulande überhaupt Käufer finden würde. Doch der Kaffee fand zum großen Erstaunen sofort Absatz – ein Riesenschritt im Bereich des fairen Handels.

Pater Athanasius zu Besuch im Ladencafé. Er freut sich, von Geschäftsführer Klaus Veeh zu erfahren, dass der WüPaKa in den letzten Jahren enorm den Umsatz steigern konnte.

Gründungsmitglieder
Und so wuchsen die ersten „Wurzeln“ fairen Kaffeehandels zwischen Münsterschwarzach und Tansania. Sie gehören untrennbar zur Geschichte unseres Vereins, der schließlich nach dreijähriger Diskussionsphase 1998 ins Leben gerufen wurde.
Gründungsmitglieder waren damals die Missionsbenediktiner (mit „Fair-Handel GmbH“-Vater Bruder Joachim Witt und Pater Athanasius), die Stadt Würzburg (mit besonderem Engagement der Grünen-Stadträtin Benita Stolz), die Diözese Würzburg, das evangelische Dekanat Würzburg, das Missionsärztliche Institut, der Afrika-Club und die Initiative Eine Welt, vertreten durch den Würzburger Weltladen. Heute hat unser Verein 12 Mitglieder und darf in diesem Jahr sogar sein 20-jähriges Bestehen feiern.

Susann Scharrer

Klimawandel in Tansania

Bei seinem Vortrag in Würzburg wies Fazal Issa auf die dramatischen Folgen des Klimawandels in Tansania hin

Fazal Issa mit Klaus Veeh

Während die Welt noch über den durchschnittlichen Temperaturanstieg von 0,8° Grad diskutiert, ist ein weitaus stärkerer Anstieg in Tansania längst Realität: Seit 1960 stieg die Temperatur um 1° Grad an, ein Anstieg um 1,7 – 2,5° Grad ist zu erwarten. Was viele nicht wissen: Besonders in Afrika, das selbst wenig durch Industrie-Emissionen zum Klimawandel beiträgt, sind die Folgen des Klimawandels dramatisch.

In seinem Vortrag am 14.03.2017 im Burkardushaus, zu dem der Würzburger Partnerkaffee e.V. und das Missionsreferat der Diözese Würzburg geladen hatten, zeigte Mr. Fazal Issa, Klimaexperte aus Dar-es-Salaam, wie überdurchschnittlich Tansania bereits von der Klimaveränderung betroffen ist. Das wirtschaftlich schwache Land kämpft unter anderem mit Überschwemmungen, starker Bodenerosion, Dürren und ansteigendem Meeresspiegel.

Auch unsere Kaffeebauern in der Region Ruvuma und am Kilimanjaro spüren bereits die negativen Auswirkungen des Temperaturanstiegs. In manchen niedrigeren Lagen kann kein Kaffee mehr angebaut werden, weil es dort zu heiß geworden ist. Zudem haben sich die Regenzeiten und Niederschlagsmengen spürbar verändert.

Fazal Issa erklärte, welche Maßnahmen Tansania trifft, um dem Klimawandel entgegenzuwirken und wo es auf internationale Hilfen angewiesen ist. Für die Zukunft wünscht er sich, dass die Zusagen der internationalen Gemeinschaft, was Hilfen und Fördergelder, aber auch die Reduktion klimaschädlicher Emissionen betrifft, eingehalten werden. Auch in Tansania versucht man, durch Aufklärung ein Bewusstsein für den Klimawandel zu schaffen.

Susann Scharrer